Der Au Pair TAG

IMG_4327 (2)_edited

Hi, wie geht es dir heute? Ich habe gerade einen seehr alten Beitrag wiedergefunden, den ich glaube ich letztlich nie gepostet habe. Nämlich den Au Pair Tag. Nein, das ist kein Feiertag oder so etwas. Man muss das Ganze stattdessen mit einem langen Ä sprechen. Tääg also. Ist Englisch und bedeutet so viel wie markieren. Das Prinzip eines Tags ist, dass man Fragen beantwortet und dann andere Leute „taggt“, also sie markiert, sodass sie auch diese Fragen beantworten und abermals andere taggen.

Auch wenn ich von nichts und niemanden getaggt wurde, habe ich mich selbst nominiert, diese Fragen zu beantworten, weil ich sie ziemlich interessant fand. Und zusätzlich zu den Fragen von vor einem Jahr beantworte ich noch, wie sich das Ganze bis jetzt entwickelt hat (kursiv geschrieben).

1.Warum hast du dich dazu entschieden ein Au Pair zu werden?

Das hat definitiv eine Vielzahl von Gründen. Einerseits wollte ich unbedingt nach der Schule erstmal etwas ganz Anderes machen und nicht gleich studieren. Für mich stand auch relativ zeitig fest, dass ich ins Ausland gehen möchte, weil ich andere Länder und deren Menschen, Landschaften und Kulturen unglaublich spannend finde. Für ein Aupair habe ich mich letztlich entschieden, weil ich einfach schon immer gut mit Kindern umgehen konnte und ich es für mich als die beste Möglichkeit gesehen habe.

→ War es die richtige Entschiedung Au Pair zu werden?

Sagen wir es so: Ich bereue es auf jeden Fall nicht. Ich kann mir schon vorstellen, dass zum Beispiel ein Feiwilligendienst mich noch mehr erfüllt hätte, aber ich habe in diesem Jahr so viel gelernt und bin persönlich sehr gewachsen.

2. Warum Großbritannien?

Weil es einfach ein wunderschönes Land ist und nicht ganz so weit weg wie zum Beispiel Australien. Und weil man dort bestens Englisch lernen kann.

→ Und wie ist Großbritannien nun so?

Ich mag GB wirklich gerne. Die Menschen sind viel freundlicher und gechillter als in Deutschland. Über das wunderschön kann man sich streiten, ich finde vor allem die Städte haben so ein seltsam dreckiges Flair. Aber es gibt auch ein paar echt schöne Plätzchen, wie zum Beispiel die Küste.

3.Welche Agentur?

Ich habe meine Familie über Christian Aupairs gefunden.

→ Bin ich mit der Agentur zufrieden?

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich von der Agentur in der gesamten Zeit nicht einmal etwas gehört. Was für mich nicht weiter ein Problem war, da ich ja eine wunderbare Gastfamilie habe. Ich bin sehr froh, dass ich von einer christlichen Agentur vermittelt wurde, das hilft in so vielen Dingen, wenn man eine gemeinsame Basis hat. Allerdings ist der Service eben nicht der Beste und es war für mich eine ziemliche Herausforderung von Beginn an alles auf Englisch zu komminizieren.

4.Wann hast du dich beworben?

Anfang Januar 2017, genau genommen am 9.1.

5.Wie viel Erfahrung mit Kinderbetreuung hast du?

Meiner Meinung nach relativ viel. Ich bin mit drei kleinen Geschwistern aufgewachsen und mich quasi mein Leben lang schon um sie gekümmert. In meiner Verwandtschaft und Bekanntschaft gibt es auch viele kleine Kinder, bei denen ich immer gerne den Job des Bespaßers übernommen habe.

Seit fünf Jahren arbeite ich ehrenamtlich in unserer Gemeinde beim Kindergottesdienst mit und habe dort für ca. eine halbe Stunde auf mal 3, mal 25 Kinder aufzupassen.

In der 9. Klasse habe ich außerdem ein zweiwöchiges Praktikum in der Grundschule gemacht.

Geht also sicherlich noch mehr, aber ich fühle mich definitiv in der Lage, auf Kinder aufzupassen und teilweise für sie zu sorgen.

→ War die Erfahrung ausreichend für deinen Au Pair Job?

Zugegebenermaßen ist meine Gastfamilie eine ziemliche Ausnahmefamilie, wodurch sich meine Erfahrung mit unterschiedlichen Kindern in unterschiedlichem Alter als überaus nützlich, wenn nicht sogar notwendig erwiesen hat. Meine Vorgängerin musste nach drei Wochen das Handtuch schmeißen (sagt man doch so, oder?), weil sie komplett überfordert war. Anfangs war auch ich echt überfordert, aber ich konnte es letztendlich doch alles meistern. 🙂

6.Wie lange hat es gedauert bis du deine Familie hattest?

Die Zusage von meiner Familie habe ich am 25.3. erhalten. Schlaue Mathefüchse können jetzt ausrechnen, dass das genau 76 Tage sind, für alle anderen sind es ca. 3 Monate.

7.Erster Eindruck von deiner Gastfamilie?

Natürlich allerbestens, sonst wäre es nicht meine Gastfamilie geworden! Sie waren mir auf Anhieb sympathisch und wir haben uns sehr gut verstanden (soweit es eben mit meinen Englischkenntnissen  ging).

→ Und was sagst du nach neun Monaten?

Meine Gastfamilie ist eine der verrücktesten, aber gleichzeitig liebenswertesten Familien auf dem Planeten. Sie sind unglaublich herzlich, aufgeschlossen, verständnisvoll und gastfreundlich. Sie haben mir von Beginn an das Gefühl gegeben, willkommen zu sein und haben mir in so vielen Dingen geholfen. Ich bin wirklich unglaublich gesegnet worden. Meine Gastkids haben es schon faustdick hinter den Ohren, aber sie sind alle auf ihre Art besonders und ich weiß jetzt schon, dass ich sie unglaublich vemissen werde, wenn ich wieder zu Hause bin.

8.Auf wie viele Kinder wirst du aufpassen?

Auf 6 Kinder. Aber keine Sorge, die Mama ist fast immer mit zu Hause, ich bin quasi die helfende Hand. Wenn man wieder mathematisch herangehen will wären das dann 3 Kinder pro Person (Sorry, ich weiß nicht, was ich heute mit Mathe habe 😉 )

Witzig waren auf jeden Fall die Reaktionen meiner Verwandten und Freunde auf diese Zahl.

9.Wo wirst du wohnen?

In Cardiff, in einem Haus. Das kam überraschend, oder?

→ Was sagst du zu Cardiff?

Cardiff ist für mich definitv die bessere Alternative zu London gewesen. Meine Stimmung nach dem Abi war eher eine „Ich will raus aus dem Dorf in die Metropole“, aber schon nach kurzer Zeit in der Großstadt habe ich gemerkt, dass ich doch eine Landmaus bin. Deshalb bin ich froh, in einer Art „Zwischengröße“ gelandet zu sein. An sich finde ich Cardiff aber nicht wirklich besonders und würde es freiwillig nicht als meinen Wohnsitz wählen.

10.Wie wirst du leben?

Extrem verschwenderisch (wer braucht schon die Umwelt?!) und herrschaftlich in meiner eigenen Suite, mit Whirlpool, Heimkino und einem Himmelbett, das so groß ist wie der Strafraum einer Fußballspielfeldes. Die Kinder müssen mich nach einer kurzen Phase der Annäherung mit „Majestät“ ansprechen. Jeden Sonntag gehe ich im weitläufigen Park flanieren und bewundere die akkurat geschnitten Hecken, die unser Gärner Eduardo regelmäßig hegt und pflegt.

Natürlich nicht, aber ich habe keine Ahnung wie ich leben werde. Vermutlich nicht viel anders als bisher auch.

→ Und wie lebst du jetzt wirklich?

Was witzig ist: wir haben wirklich einen Gärtner. Da war ich anfangs auch ziemlich geschockt. Wir haben auch eine Putzfrau und einen Fensterputzer, aber das ist üblich in Großbritannien. Das Haus ist schon riesig. Klar, für neun Personen braucht man eben auch Platz, und es ist genial eine Küche zu haben, die fast die Größe eines kleinen Apartments hat. Aber ich fühle mich nicht wohl, wenn so viel Platz unbenutzt ist und freue mich auf mein eigenes kleines Reich.

11.Was sind deine 3 größten Befürchtungen/ Ängste?

Erstens, dass ich keine Freunde dort finde und das Jahr voll einsam wird, zweitens, dass ich mich mit der Familie nicht verstehe und drittens, dass mein Gepäck verloren geht.

→ Haben sie sich erfüllt?

Natürlich nicht. In meinen Gedanken ist immer alles worst case. Punkt zwei und drei haben sich als völlig unwahr erwiesen. So richtig gute Freunde habe ich zwar nicht gefunden, aber es gibt definitiv Leute mit denen ich Dinge unternehmen kann. (Und wenn ich richtig gute Freunde haben wöllte, dann könnte ich defintiv noch mehr dafür tun, aber ich bin so glücklich in meiner Gastfamilie, dass das meiner introvertierten Seele schon ausreicht.)

12.Was erwartest du von diesem Jahr?

Ich erwarte, dass ich eine gute Zeit haben werde, viel von dem Land sehen werde und mein Englisch erheblich verbessern kann. Und außerdem hoffe ich, dass ich viele Dinge über mich herausfinden und lernen werde. Und dass ich ein etwas gesünderes Leben mit etwas mehr Bewegung führen werde.

→ Haben sie sich erfüllt?

Eine gute Zeit habe ich, ja. Vom Land sehe ich nicht besonders viel, aber das ist eher meiner persönlichen Einstellung geschuldet. (die ganze Geschichte würde jetzt den Rahmen sprengen) Mein Englisch hat sich verbessert, ich habe sogar den britischen Akzent zu großen Teilen übernommen. Und wow, ich habe so viel über mich gelernt! Gesünder lebe ich auch, würde ich sagen. Auch wenn es da noch viel Luft nach oben gibt.

13.Was wirst du am meisten vermissen?

Meine Familie und meine Freunde. Und Schwarzbrot.

→ Was vermisst du so nach all der Zeit?

Definitiv kein Schwarzbrot mehr. An das Essen habe ich mich komplett gewöhnt. Meine Familie und Freunde vermisse ich schon sehr. Und ich vermisse, dass ich nicht mehr einfach zur Tür rausgehen kann und auf dem Feld bin. Und ich vermisse das gemeinsame Fußball gucken. Und ein bisschen auch Auto fahren.

14.Was wirst du nicht vermissen?

Die Schule und das Lernen. Es ist so schön, davon befreit zu leben.

→ Naa, immer noch so?

Nein. Nein. Nein. Ich vermisse das Lernen so sehr, dass ich angefangen habe, spanisch zu lernen. Einfach so.

15.Was willst du nach dem Jahr machen?

Gute Frage… ich will mich da jetzt noch nicht genau festlegen, sondern schauen, was sich so entwickelt. Ich könnte mir vorstellen, noch einmal woanders hin zu gehen (vielleicht ein bisschen weiter weg), ich werde aber vielleicht auch studieren.

→ Ich habe mich diese Woche für ein Studium als Grundschullehrer beworben. Weil ich das Lernen vermisse, möchte ich erstmal studieren und lieber danach noch mal weiter weg reisen.

16.Was willst du in Großbritannien auf jeden Fall sehen?

Ich habe so viele Orte, zu denen ich gerne will. London, Brighton, die Südküste, Cornwall, Schottland…
Ich habe ein bisschen Angst, dass ich enttäuscht sein werde, wenn ich nicht alles schaffe, deshalb möchte ich keine Bucketlist oder sowas machen, sondern einfach mal schauen, was ich so schaffe.

→ Was hast du gesehen?

Nur ein Bruchteil meiner Aufzählungen. London und die Südküste, außerdem das Lake District und Oxford. Aber wie schon oben erwähnt, das ist eine längere Geschichte.

17.Was sind deine Ziele für dieses Jahr?

Diese Frage kann ich eigentlich gut mit dem beantworten, was ich bei 12. geschrieben habe.

18.Wie werde ich mit der unterschiedlichen Kultur umgehen?

Darüber habe ich mir ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken gemacht. Ich denke ich werde versuchen, mich so gut es geht anzupassen, etwas anderes bleibt einem ja gar nicht übrig. Glücklicherweise bin ich ja auch „nur“ in Großbritannien, da wird der Kulturschock hoffentlich nicht ganz so extrem.

→ Wie unterschiedlich ist die Kultur wirklich?

Ich denke, meine Vermutung war gar nicht so falsch. Mein Schock hat sich in erster Linie auf das Fahren auf der falschen Seite und das Essen bezogen. Alles andere fand ich sogar ziemlich angenehm, alles ist sehr höflich und relaxt.

19.Was hält deine Familie davon?

Anfangs waren meine Eltern nicht soo begeistert, dass ich ins Ausland gehen will, aber Cardiff ist im Gegensatz zu meinen vorangegangenen Plänen nur ein Steinwurf entfernt, deshalb ist das jetzt okay für sie. (Oder?!) Sie unterstützen  mich auf jeden Fall und wollen, dass ich meinen Weg gehe.

→ Wie hat sich das Verhältnis zur Familie entwickelt?

Die Beziehung zu meiner Familie ist wie der Startflug: steil nach oben gegangen. Ich hatte meine Familie so satt, als ich hergekommen bin. Jetzt hat sich alles um 180 Grad gedreht und ich sehe sie mit ganz anderen Augen. Dafür bin ich unglaublich dankbar!

20.Worauf freust du dich am meisten?

Boar, das Schwierigste zum Schluss… Ich freue mich sehr auf das Land und die Kultur an sich. Ich freue mich darauf, neue Leute kennenzulernen und mal rauszukommen aus meinem Alltag. Ich freue mich auf die Familie und besonders auf die absolut süßen Kinder. Und ich freue mich darauf, mich selbst besser kennenzulernen.

→ Abschließende Worte dazu?

Ich bin sehr froh, dass ich mich für dieses Jahr entschieden habe. Es hat mir einiges über mich, über Gott und die Welt gezeigt. Ich freue mich, meine Freunde und Familie wiederzusehen (Nur noch 5 Wochen bis meine Familie kommt!) und auch, zu studieren. Aber Cardiff ist zu einer zweiten Heimat für mich geworden. Ich kann und will mir im Moment ein Leben ohne meine Gastkids gar nicht vorstellen und werde die verbleibende Zeit noch in vollen Zügen genießen.

 

Habt ihr noch weitere Fragen? Schreibt sie gerne in die Kommentare!

Advertisements

Die Wiederkehr einer Verschollenen…

IMG_3809

Woooowwww, es ist schon ungefähr hundert Jahre her, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe. Eigentlich hatte ich auch gar nicht vor, wieder zu schreiben, aber ich bin gerade in die Tiefen der Bloggerwelt versunken und zufällig meinen eigenen Blog gelesen und da hat mich die Muße geküsst. Das Blöde ist halt nur, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll…

Vielleicht am besten mit dem, was so passiert. Meistens ist das der Alltag, mit zum Spielplatz gehen, kochen, Deutsch lehren, Deutsche Begriffe zunehmend verlernen, vorlesen, aufräumen, auf Trips gehen, ständig „Nein“ sagen, Kitzelmonster spielen, Kinder herumtragen und sich dann über Rückenschmerzen aufregen, Wäsche aufhängen, in die Kirche gehen, alles außer Fleisch und Schwarzbrot essen, vergessen, Menschen zurück zu schreiben, mit meiner Familie skypen, lesen, spazieren gehen, shoppen gehen, Bibel lesen, …

Hin und wieder wird dieser Alltag von ein paar guten Ausnahmen unterbrochen. So habe ich zum Beispiel Ende April Besuch von meinen liebsten Freunden bekommen, ich war mit meiner Gastfamilie im Urlaub, ich hab auf einem Rend-Collective Konzert Gott zusammen mit 800 anderen Leuten lobgepreist (ist das ein deutsches Wort?) und einen Sommertag am Strand verbracht.

Jetzt vielleicht das Naheliegendste: Wie geht es mir also? Gut würde ich sagen. Langsam aber sicher wird mir bewusst, dass ich meine Zeit wirklich genießen muss. In weniger als zwei Monaten muss ich schon Abschied nehmen! Gestern habe ich mich für mein Studium beworben und mal ganz unverbindlich nach Wohnungen geschaut. Und auf einmal überkam mich eine Welle der Panik. Wah, Hilfe, Veränderung! Mir wurde schlagartig bewusst, wie selbstverständlich hier alles geworden ist. Und dass ich mir ein Leben ohne schreiende Kinder fast nicht mehr vorstellen kann. Meine Gastfamilie ist wirklich zur Familie geworden und ich bin Gott so dankbar, dass er mich hierher geführt hat.

Ich freue mich aber auch auf „das Leben danach“. Endlich meine eigene Wohnung ganz nach meinem Geschmack einrichten zu können. Endlich das zu studieren, was mich richtig interessiert. Endlich meine Liebsten wiedersehen. Endlich wieder Sonntagsfrühstücke mit Aufbackbrötchen genießen.

Tja, ich würde sagen, das war erst mal ein grober Überblick über mein Leben. 🙂 Falls ich am Bloggen dran bleibe (was ich doch ziemlich hoffe) wird es in Zukunft hier noch ein speziellere Beiträge geben. Apropos: Gibt es Wünsche?

Ich hänge mal noch ein paar Fotos an. Bis dann!

IMG_3325
Anfang März gab es mehr Schnee als je zuvor in Cardiff…
IMG_3318
Nationalfeiertag mit traditioneller Verkleidung
IMG_3206
Random Sonnenuntergang.
IMG_3533
Urlaub im Lake District.
IMG_3500
Lake District – die Heimat von Peter Rabbit.
IMG_3829
Es ist tatsächlich Fühling geworden – ich hatte es zwischenzeitlich schon nicht mehr für möglich gehalten…
IMG_3913
Zusammen mit ganz Südwales am Stand…
IMG_3911
Ready für den Sommer!

Ein Hauch Nichts.

IMG_20171210_073253_357

Nebelschwaden vor meinem Fenster. Von unten ist eine Glocke zu hören. Frühstück. Auf dem Schreibtisch liegt mein Tagebuch. Es wartet darauf, endlich wieder gefüllt zu werden. Und der USB-Stick daneben wartet darauf, in die Stadt genommen zu werden, um sich endlich all den Fotos entledigen zu können. So vergehen Tage. Wochen. Ich lache, ich weine, liebe und hasse, erlebe und vermeide, bewege und stagniere, genieße und verwünsche, erwarte und fürchte. Die Zeit fliegt vorbei, ich versuche sie zu greifen, doch schon wird sie weitergetrieben, treibt mich weiter, weiter, weiter. Ich will mehr. Mehr erleben. Mehr genießen. Mehr Glück. Mehr Sinn. Aber jeden Morgen finde ich mich am gleichen Platz wieder.

Nebelschwaden vor meinem Fenster. Von unten ist eine Glocke zu hören. Frühstück. Auf dem Schreibtisch liegt mein Tagebuch. Es wartet darauf, endlich wieder gefüllt zu werden. Warum ich nichts mehr schreibe, wollen sie wissen. Die Zeit fliegt vorbei, ich versuche sie zu greifen, doch schon wird sie weitergetrieben, treibt mich weiter, weiter, weiter. Alles, was ich greife, ist ein Hauch Nichts. Das Schreiben und ich, wir sind in einer Fernbeziehung. Ich liebe es, aber wir sehen uns nur noch selten. So vergehen Tage. Wochen. Ich bin doch nur Durchschnitt, denke ich mir, nichts Besonderes, eine von vielen. Ich gehe unter; ich sinke langsam. Ich will mehr. Und doch ist alles, was ich greife, ein Hauch Nichts.

5 Monate Au Pair – Ein Halbzeitsbericht

me and the sea.JPGJap, richtig gelesen, es ist schon Halbzeit. Die letzten fünf Monate sind wie im Flug vergangen (oder, um meiner Herkunft alle Ehre zu geben: ging‘ weg wie nüscht) und in naja, etwas mehr als fünf Monaten werde ich wieder auf deutschem Boden sein.

Endlich. Ich fiebere dem Tag  jetzt schon entgegen. Oder vielmehr dem Tag, an dem ich meine liebe Familie wiedersehen kann. Die kommen nämlich alle her um ein paar Tage Urlaub zu machen und dann werden wir uns (mit dem Zug wohlgemerkt!) wieder auf die Heimreise machen. Ich bin fleißig am planen für mein eigenes Zuhause. Und für Themen für das Missiocamp, da darf ich nämlich Mitarbeiter sein!

Überhaupt lebe ich viel in der Zukunft – was mich ziemlich unglücklich macht um ehrlich zu sein. Aber gerade fällt mir hier ein bisschen die Decke auf den Kopf. Seit fünf Monaten das Gleiche. Routine ist schön, aber gerade langweile ich mich zu Tode. Nicht nur das, ich habe auch keine richtigen Herausforderungen, denen ich mich stellen muss. Und seit Wochen und Monaten versuche ich, ein Projekt für mich zu finden. Erfolglos. Es scheint, als wären all die guten Ideen, die ich in Massen hatte, einfach vom Winde verweht.

Das ist schon etwas deprimierend. Das ist also das erste, was ich festhalten kann: ich bin nicht wirklich glücklich und zufrieden mit meiner derzeitigen Situation. Um aber mal aufzuhören mit dem Herumgeheule, jetzt die positiven Dinge der letzten fünf Monate:

  • Ich habe gelernt. Unglaublich viel. Ich habe gelernt, meine Familie, meine Freunde, mein Dörfchen!, meine Herkunft wertzuschätzen. Ich habe (und bin noch dabei) mich selbst besser kennengelernt. Und gelernt, mich anzunehmen.
  • Ich bin über mich selbst herausgewachsen. Ich bin alleine nach und durch London gefahren. Ich habe schon mindestens hundert neue Leute kennengelernt. Ich bin mit zwei kleinen Kindern im Bus durch die Großstadt gefahren. …
  • Ich wurde im Glauben gestärkt. Meine Beziehung zu Gott ist unglaublich gewachsen, wofür ich sehr dankbar bin. Der Gottesdienst am Sonntag ist auf einmal zu etwas schönem geworden, etwas, worauf man sich freut. Und das Bibellesen gehört zum Alltag dazu.
  • Ich habe viel erlebt. Von meinem ersten Truthahn, über Ebbe und Flut (habe ich ttsächlich noch nie vorher erlebt!), bis zu Pommes und Feuerwerk am fünften November. Und ich war an vielen neuen und schönen Orten.

Sicherlich gibt es noch viele andere Dinge, die mir jetzt nur nicht in den Kopf kommen wollen. Allgemein als Fazit kann ich schonmal sagen: Es hat sich gelohnt. Definitiv. Die Zeit hat mich geprägt und ich bin glücklich mit der Entscheidung, ein Au Pair zu machen. Trotzdem habe ich noch einige Pläne für die Zukunft:

  1. Glücklich sein. Ich weiß nicht genau, was ich ändern muss, aber ich will gerne glücklicher sein, mit dem, was gerade ist.
  2. Mehr bloggen. Ich habe das etwas schleifen gelassen, aber scheinbar scheint es Leute wirklich zu interessieren, was ich hier so treibe.
  3. Ein Projekt finden.
  4. Regelmäßig zurückschreiben. Ich entschuldige mich hiermit bei allen, die Tage oder Wochen auf Antworten von mir warten. Ich arbeite daran. Versprochen.

Soviel dazu, wer noch Fragen hat, es gibt da so ne Kommentarfunktion, die ihr gerne benutzen könnt. Oder ihr fragt einfach persönlich 🙂 Maaaaaachts gut

London

IMG_2802

Das Vorhaben stand schon seit Monaten, aber es hat ewig gebraucht, bis ich es tatsächlich bis nach London geschafft habe. Genau genommen hat es ein Weihnachtsgeschenk meiner Gastfamilie und ein „Machtwort“ meines Gastpapas gebraucht („Wie wäre es nächstes Wochenende?!“). Also habe ich mich am 4.Januar um ca. 8:58 Uhr auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Am Tag vorher habe ich schon Ideen gesammelt, mir Apps für die Tube heruntergeladen und Pläne gemacht. Obwohl eigentlich nichts schief gehen konnte, war ich doch hoffnungslos aufgeregt, als der Zug nach London Paddington vorfuhr.

Nach einer zweistündigen Fahrt kam ich dann auch genau da an und habe nach einer kurzen verweifelten Suche nach einer Toilette auch diese und die Bahn gefunden. First things first, dachte ich mir und fuhr zuerst mal in die Bakerstreet um zum Sherlock Holmes Museum zu kommen. Leider war die Schlange davor so groß, dass ich nur ein schönes Foto machte und mich stattdessen mit meinem „Meal Deal“ von tesco in einen Park setzte. Weiter ging es nach Kings Cross und zur „British Library“, die eine wirklich interessante Ausstellung über uralte Bücher hat. Und viele „wichtige“ Studenten, die dort auf ihre Notebooks hacken. Anschließend bin ich noch nach Camden Town, um über den Markt zu schlendern… ich habe nicht alles geschafft, weil er einfach so riesig ist! Dann bin ich zu der Familie gefahren, bei der ich für die Zeit wohnen würde. Es sind Freunde meiner Gastfamilie, die ich einmal getroffen habe, und die auch sechs Kinder haben. Sonst wäre es ja langweilig für mich. 🙂

Am Freitag bin ich zusammen mit einem kleinen Teil dieser Familie in die Innenstadt  gefahren, wo ich den Buckingham Palace, den Trafalgar Square und die „National Gallery“ gesehen habe. Ich liebe Kunstmuseen! Dieses ist so groß und gut, dass man hundert mal hingehen kann, und trotzdem immer noch etwas neues entdeckt. Und im Gegensatz zu deutschen Museen, sind die in Großbritannien fast alle frei! Anschließend habe ich einen gemütlichen Abend mit der Familie verbracht; wir haben zusammen gemalt, gegessen und „Mario Kart“ gespielt, was ich absolut nicht drauf habe…

Samstags bin ich relativ früh raus und zum Südufer der Themse gefahren. Und mit mir zusammen noch ungefähr dreihundertfünfundachtzig andere Touristen… Ich habe ein paar Fotos gemacht und bin nach einem kleinen Zwischenstop im Buchladen gen Osten gelaufen. Ein wirklich toller Weg! Mein Ziel war zunächst noch ein Museum: das Tate Modern. An sich ist es sehr speziell. Mein Mittagessen habe ich mir auf dem Borough Market ganz in der Nähe gekauft, auf dem ich auch mehr zufällig gelandet bin. Anschließend habe ich das Ufer gewechselt, mir die Tower Bridge angeschaut und bin schließlich mit der Bahn nochmal nach Camden Town, weil ich unbedingt noch den Rest des Marktes sehen wollte. Wieder zurück in meiner Bleibe gab es dann noch eine Geburtstagsparty für die „Hausherrin“ (oder wie man sie auch immer in moderner Sprache nennen soll) mit Kuchen, Pizza und einem Film mit der ganzen Familie. Ich fand es unglaublich nett, dass ich, eine Fast-Fremde mit dabei sein durfte!

Am Sonntag wollte ich etwas ruhen und habe mir nichts vorgenommen. Es war auch tatsächlich bin ca. 10 Uhr völlige Ruhe in Haus, was ich von meiner Gastfamilie ja so gar nicht gewohnt bin. Ich habe gefrühstückt, gelesen und bin dann in einen nahegelegenen Park gegangen, wo ich in der Sonne Tagebuch geschrieben habe. Am Nachmittag hat die Familie und ein paar Freunde der Kinder „Netball“ gespielt, was so ähnlich wie Basketball ist. Ich hasse Ballspiele zwar, aber es war doch sehr lustig. Abends war noch Gottesdienst, der im Wohnzimmer der Familie stattgefunden hat – das war mal eine ganz ungewohnte Erfahrung, aber dennoch habe ich es genossen.

Nachdem ich mich Montagmorgen von allen verabschiedet hatte, bin ich nochmal in die Stadt, schließlich wollte ich alles, was geht aus dem letzten halben Tag London herausholen. So bin ich noch einmal zum Buckingham Palace, diesmal um das „Changing of the guards“ zu sehen. Es war arschkalt, aber ziemlich gut gemacht. Anschließend bin ich zum Picadilly Circus, um die große Werbewand zu sehen und dann noch ein bisschen weiter, um durch die Geschäfte zu bummeln. Oder vielmehr zu staunen, was es alles teures und unnötiges zu kaufen gibt. Weil der Zug gecancelt wurde und ich somit auf den nächsten warten musste, habe ich noch kurze Erfahrungen mit britischen Verkäufern gemacht (im Supermarkt sind sie drauf, als würden sie lieber auf der Stelle sterben, anstatt arbeiten zu müssen, in den kleineren Läden wirken sie eher, als hätten sie Drogen genommen…) und bin schließlich, etwas unsicher, ob das wirklich der richtige Zug ist, wieder nach Hause gefahren. Mit vielen Bildern, einer neuen Jacke und zu vielen neuen Erfahrungen, die ich irgendwie immer noch nicht so richtig verarbeitet habe.

Gute Vorsätze

WhatsApp Image 2017-12-29 at 13.57.08Jeden Sonntag spricht der Prediger meiner derzeitigen Gemeinde über gute und wichtige Dinge. Nur eben auf Englisch. Hier versuche ich, aus meinem Predigt-Mitschriften-Chaos eine kleine Inspiration zu machen…

Titus 2:

11 Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen,

12 und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf,

13 indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten.

14 Der hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken. 

Hast du schon gute Vorsätze für das neue Jahr? Vielleicht endlich mehr Spor machen? Oder endlich diese Reise machen, härter arbeiten, häufiger sauber machen oder kein Fleisch mehr essen? Und wie sieht es aus mit den Vorsätzen von letztem Jahr?

Scheitern und schaffen

Bei mir ist es immer dasselbe: Ich nehme mir große Dinge vor, und merke schon nach wenigen Wochen, dass das irgendwie nichts wird. Geht es dir auch so? Es gibt eine einfache Erklärung für unser Scheitern: Es liegt in unserer menschlichen Natur. Diese ist gesetzlos und gemein (2:14). Wir können also gar nicht anders als zu scheitern, weil etwas in uns immer für das Böse und gegen das Gute ist.

Um es endlich zu schaffen, die guten Vorsätze einzuhalten, nein, um überhaupt irgendetwas zu schaffen, brauchen wir Gott. Heutzutage scheint nahezu alles erreichbar durch menschliches Bemühen bzw. menschlichen Einsatz zu sein. Denke doch nur mal daran, wie viel schon erschaffen wurde. Wie viele neue technische Geräte es 2017 gab. Wir denken so oft, dass wir allein alles erreichen können. Aber das ist ein Trugschluss. Wir brauchen Gott um etwas zu schaffen. Wir brauchen seine Gnade. (2:11)

Geliebt und geschenkt

Gottes Gnade ist ein wundervolles Geschenk an uns. Sie meint, dass Gott uns nicht so behandelt, wie wir es verdient hätten, sondern dass er uns mit Liebe begegnen möchte. Und diese Liebe hat in Jesus Gestalt angenommen. Gottes Gnade meint, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, sodass Gott uns nicht nach unseren Sünden und Vergehen beurteilt, sondern uns bedingungslos liebt.

Unsere menschliche Natur mit dem immerwähreden Hang zum Bösen geht nicht spurlos an uns vorbei. Wir haben wortwörtlich Dreck am Stecken. Doch Jesus selbst gibt vollen Einsatz. Er stirbt am Kreuz, um uns alle zu retten (2:13) und er reinigt uns (2:14) von all dem Dreck.Und wir – wir müssen uns noch nicht einmal bemühen, um ihm eine Gegenleistung zu bringen. Denn das ist ein Teil der Gnade: sie ist geschenkt, einfach so.

Anfangen und anstrengen

Aber es ist gut und wichtig, dass wir etwas tun. Auch darüber steht etwas in dem Text:

1. Wir sollen und bemühen, ein Leben zu führen, dass Gott gefällt. (2:12) Paulus nennt unter anderem, dass wir uns von weltlichen Begierden abwenden, besonnen und gerecht leben und Gott fürchten.

2. Wir sollen geduldig auf Jesus warten (2:13) und

3. Wir sollen Gutes tun. (2:14) Weil Gott uns das große Geschenk seiner Gnade gibt, können wir etwas davon an andere Menschen abgeben. Wir können ebenso Einsatz zeigen.

Vielleicht klingt das nach viel. Nach zu viel. Vielleicht weißt du jetzt schon, dass du das niemals alles schaffen kannst, so wie du auch deine guten Vorsätze niemals alle einhalten kannst. Aber das ist nicht schlimm. Vergiss nicht, Scheitern liegt uns in der Natur. Wichtig ist, nicht aufzuhören. Wieder aufzustehen, wenn wir mal gefallen sind; zurück zu Gott zu kommen, wenn wir gemerkt haben, dass wir versagt haben und neu beginnen. Wichtig ist, dass wir aufhören aufzuhören und anfangen anzufangen. Immer und immer wieder.

Und das Beste ist: wir sind nicht allein. Gott und seine unlaubliche Gnade begleiten uns. Ich wünsche dir, dass du das nicht vergisst im neuen Jahr. Höre auf, aufzuhören und fang an anzufangen.