26/01/18 – Ein bisschen Seeluft

Es folgen Bilder von einem Trip nach Swansea. Unbearbeitet. Aber wunderschön.

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5 Monate Au Pair – Ein Halbzeitsbericht

me and the sea.JPGJap, richtig gelesen, es ist schon Halbzeit. Die letzten fünf Monate sind wie im Flug vergangen (oder, um meiner Herkunft alle Ehre zu geben: ging‘ weg wie nüscht) und in naja, etwas mehr als fünf Monaten werde ich wieder auf deutschem Boden sein.

Endlich. Ich fiebere dem Tag  jetzt schon entgegen. Oder vielmehr dem Tag, an dem ich meine liebe Familie wiedersehen kann. Die kommen nämlich alle her um ein paar Tage Urlaub zu machen und dann werden wir uns (mit dem Zug wohlgemerkt!) wieder auf die Heimreise machen. Ich bin fleißig am planen für mein eigenes Zuhause. Und für Themen für das Missiocamp, da darf ich nämlich Mitarbeiter sein!

Überhaupt lebe ich viel in der Zukunft – was mich ziemlich unglücklich macht um ehrlich zu sein. Aber gerade fällt mir hier ein bisschen die Decke auf den Kopf. Seit fünf Monaten das Gleiche. Routine ist schön, aber gerade langweile ich mich zu Tode. Nicht nur das, ich habe auch keine richtigen Herausforderungen, denen ich mich stellen muss. Und seit Wochen und Monaten versuche ich, ein Projekt für mich zu finden. Erfolglos. Es scheint, als wären all die guten Ideen, die ich in Massen hatte, einfach vom Winde verweht.

Das ist schon etwas deprimierend. Das ist also das erste, was ich festhalten kann: ich bin nicht wirklich glücklich und zufrieden mit meiner derzeitigen Situation. Um aber mal aufzuhören mit dem Herumgeheule, jetzt die positiven Dinge der letzten fünf Monate:

  • Ich habe gelernt. Unglaublich viel. Ich habe gelernt, meine Familie, meine Freunde, mein Dörfchen!, meine Herkunft wertzuschätzen. Ich habe (und bin noch dabei) mich selbst besser kennengelernt. Und gelernt, mich anzunehmen.
  • Ich bin über mich selbst herausgewachsen. Ich bin alleine nach und durch London gefahren. Ich habe schon mindestens hundert neue Leute kennengelernt. Ich bin mit zwei kleinen Kindern im Bus durch die Großstadt gefahren. …
  • Ich wurde im Glauben gestärkt. Meine Beziehung zu Gott ist unglaublich gewachsen, wofür ich sehr dankbar bin. Der Gottesdienst am Sonntag ist auf einmal zu etwas schönem geworden, etwas, worauf man sich freut. Und das Bibellesen gehört zum Alltag dazu.
  • Ich habe viel erlebt. Von meinem ersten Truthahn, über Ebbe und Flut (habe ich ttsächlich noch nie vorher erlebt!), bis zu Pommes und Feuerwerk am fünften November. Und ich war an vielen neuen und schönen Orten.

Sicherlich gibt es noch viele andere Dinge, die mir jetzt nur nicht in den Kopf kommen wollen. Allgemein als Fazit kann ich schonmal sagen: Es hat sich gelohnt. Definitiv. Die Zeit hat mich geprägt und ich bin glücklich mit der Entscheidung, ein Au Pair zu machen. Trotzdem habe ich noch einige Pläne für die Zukunft:

  1. Glücklich sein. Ich weiß nicht genau, was ich ändern muss, aber ich will gerne glücklicher sein, mit dem, was gerade ist.
  2. Mehr bloggen. Ich habe das etwas schleifen gelassen, aber scheinbar scheint es Leute wirklich zu interessieren, was ich hier so treibe.
  3. Ein Projekt finden.
  4. Regelmäßig zurückschreiben. Ich entschuldige mich hiermit bei allen, die Tage oder Wochen auf Antworten von mir warten. Ich arbeite daran. Versprochen.

Soviel dazu, wer noch Fragen hat, es gibt da so ne Kommentarfunktion, die ihr gerne benutzen könnt. Oder ihr fragt einfach persönlich 🙂 Maaaaaachts gut

London

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Das Vorhaben stand schon seit Monaten, aber es hat ewig gebraucht, bis ich es tatsächlich bis nach London geschafft habe. Genau genommen hat es ein Weihnachtsgeschenk meiner Gastfamilie und ein „Machtwort“ meines Gastpapas gebraucht („Wie wäre es nächstes Wochenende?!“). Also habe ich mich am 4.Januar um ca. 8:58 Uhr auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Am Tag vorher habe ich schon Ideen gesammelt, mir Apps für die Tube heruntergeladen und Pläne gemacht. Obwohl eigentlich nichts schief gehen konnte, war ich doch hoffnungslos aufgeregt, als der Zug nach London Paddington vorfuhr.

Nach einer zweistündigen Fahrt kam ich dann auch genau da an und habe nach einer kurzen verweifelten Suche nach einer Toilette auch diese und die Bahn gefunden. First things first, dachte ich mir und fuhr zuerst mal in die Bakerstreet um zum Sherlock Holmes Museum zu kommen. Leider war die Schlange davor so groß, dass ich nur ein schönes Foto machte und mich stattdessen mit meinem „Meal Deal“ von tesco in einen Park setzte. Weiter ging es nach Kings Cross und zur „British Library“, die eine wirklich interessante Ausstellung über uralte Bücher hat. Und viele „wichtige“ Studenten, die dort auf ihre Notebooks hacken. Anschließend bin ich noch nach Camden Town, um über den Markt zu schlendern… ich habe nicht alles geschafft, weil er einfach so riesig ist! Dann bin ich zu der Familie gefahren, bei der ich für die Zeit wohnen würde. Es sind Freunde meiner Gastfamilie, die ich einmal getroffen habe, und die auch sechs Kinder haben. Sonst wäre es ja langweilig für mich. 🙂

Am Freitag bin ich zusammen mit einem kleinen Teil dieser Familie in die Innenstadt  gefahren, wo ich den Buckingham Palace, den Trafalgar Square und die „National Gallery“ gesehen habe. Ich liebe Kunstmuseen! Dieses ist so groß und gut, dass man hundert mal hingehen kann, und trotzdem immer noch etwas neues entdeckt. Und im Gegensatz zu deutschen Museen, sind die in Großbritannien fast alle frei! Anschließend habe ich einen gemütlichen Abend mit der Familie verbracht; wir haben zusammen gemalt, gegessen und „Mario Kart“ gespielt, was ich absolut nicht drauf habe…

Samstags bin ich relativ früh raus und zum Südufer der Themse gefahren. Und mit mir zusammen noch ungefähr dreihundertfünfundachtzig andere Touristen… Ich habe ein paar Fotos gemacht und bin nach einem kleinen Zwischenstop im Buchladen gen Osten gelaufen. Ein wirklich toller Weg! Mein Ziel war zunächst noch ein Museum: das Tate Modern. An sich ist es sehr speziell. Mein Mittagessen habe ich mir auf dem Borough Market ganz in der Nähe gekauft, auf dem ich auch mehr zufällig gelandet bin. Anschließend habe ich das Ufer gewechselt, mir die Tower Bridge angeschaut und bin schließlich mit der Bahn nochmal nach Camden Town, weil ich unbedingt noch den Rest des Marktes sehen wollte. Wieder zurück in meiner Bleibe gab es dann noch eine Geburtstagsparty für die „Hausherrin“ (oder wie man sie auch immer in moderner Sprache nennen soll) mit Kuchen, Pizza und einem Film mit der ganzen Familie. Ich fand es unglaublich nett, dass ich, eine Fast-Fremde mit dabei sein durfte!

Am Sonntag wollte ich etwas ruhen und habe mir nichts vorgenommen. Es war auch tatsächlich bin ca. 10 Uhr völlige Ruhe in Haus, was ich von meiner Gastfamilie ja so gar nicht gewohnt bin. Ich habe gefrühstückt, gelesen und bin dann in einen nahegelegenen Park gegangen, wo ich in der Sonne Tagebuch geschrieben habe. Am Nachmittag hat die Familie und ein paar Freunde der Kinder „Netball“ gespielt, was so ähnlich wie Basketball ist. Ich hasse Ballspiele zwar, aber es war doch sehr lustig. Abends war noch Gottesdienst, der im Wohnzimmer der Familie stattgefunden hat – das war mal eine ganz ungewohnte Erfahrung, aber dennoch habe ich es genossen.

Nachdem ich mich Montagmorgen von allen verabschiedet hatte, bin ich nochmal in die Stadt, schließlich wollte ich alles, was geht aus dem letzten halben Tag London herausholen. So bin ich noch einmal zum Buckingham Palace, diesmal um das „Changing of the guards“ zu sehen. Es war arschkalt, aber ziemlich gut gemacht. Anschließend bin ich zum Picadilly Circus, um die große Werbewand zu sehen und dann noch ein bisschen weiter, um durch die Geschäfte zu bummeln. Oder vielmehr zu staunen, was es alles teures und unnötiges zu kaufen gibt. Weil der Zug gecancelt wurde und ich somit auf den nächsten warten musste, habe ich noch kurze Erfahrungen mit britischen Verkäufern gemacht (im Supermarkt sind sie drauf, als würden sie lieber auf der Stelle sterben, anstatt arbeiten zu müssen, in den kleineren Läden wirken sie eher, als hätten sie Drogen genommen…) und bin schließlich, etwas unsicher, ob das wirklich der richtige Zug ist, wieder nach Hause gefahren. Mit vielen Bildern, einer neuen Jacke und zu vielen neuen Erfahrungen, die ich irgendwie immer noch nicht so richtig verarbeitet habe.

Gute Vorsätze

WhatsApp Image 2017-12-29 at 13.57.08Jeden Sonntag spricht der Prediger meiner derzeitigen Gemeinde über gute und wichtige Dinge. Nur eben auf Englisch. Hier versuche ich, aus meinem Predigt-Mitschriften-Chaos eine kleine Inspiration zu machen…

Titus 2:

11 Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen,

12 und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf,

13 indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten.

14 Der hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken. 

Hast du schon gute Vorsätze für das neue Jahr? Vielleicht endlich mehr Spor machen? Oder endlich diese Reise machen, härter arbeiten, häufiger sauber machen oder kein Fleisch mehr essen? Und wie sieht es aus mit den Vorsätzen von letztem Jahr?

Scheitern und schaffen

Bei mir ist es immer dasselbe: Ich nehme mir große Dinge vor, und merke schon nach wenigen Wochen, dass das irgendwie nichts wird. Geht es dir auch so? Es gibt eine einfache Erklärung für unser Scheitern: Es liegt in unserer menschlichen Natur. Diese ist gesetzlos und gemein (2:14). Wir können also gar nicht anders als zu scheitern, weil etwas in uns immer für das Böse und gegen das Gute ist.

Um es endlich zu schaffen, die guten Vorsätze einzuhalten, nein, um überhaupt irgendetwas zu schaffen, brauchen wir Gott. Heutzutage scheint nahezu alles erreichbar durch menschliches Bemühen bzw. menschlichen Einsatz zu sein. Denke doch nur mal daran, wie viel schon erschaffen wurde. Wie viele neue technische Geräte es 2017 gab. Wir denken so oft, dass wir allein alles erreichen können. Aber das ist ein Trugschluss. Wir brauchen Gott um etwas zu schaffen. Wir brauchen seine Gnade. (2:11)

Geliebt und geschenkt

Gottes Gnade ist ein wundervolles Geschenk an uns. Sie meint, dass Gott uns nicht so behandelt, wie wir es verdient hätten, sondern dass er uns mit Liebe begegnen möchte. Und diese Liebe hat in Jesus Gestalt angenommen. Gottes Gnade meint, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, sodass Gott uns nicht nach unseren Sünden und Vergehen beurteilt, sondern uns bedingungslos liebt.

Unsere menschliche Natur mit dem immerwähreden Hang zum Bösen geht nicht spurlos an uns vorbei. Wir haben wortwörtlich Dreck am Stecken. Doch Jesus selbst gibt vollen Einsatz. Er stirbt am Kreuz, um uns alle zu retten (2:13) und er reinigt uns (2:14) von all dem Dreck.Und wir – wir müssen uns noch nicht einmal bemühen, um ihm eine Gegenleistung zu bringen. Denn das ist ein Teil der Gnade: sie ist geschenkt, einfach so.

Anfangen und anstrengen

Aber es ist gut und wichtig, dass wir etwas tun. Auch darüber steht etwas in dem Text:

1. Wir sollen und bemühen, ein Leben zu führen, dass Gott gefällt. (2:12) Paulus nennt unter anderem, dass wir uns von weltlichen Begierden abwenden, besonnen und gerecht leben und Gott fürchten.

2. Wir sollen geduldig auf Jesus warten (2:13) und

3. Wir sollen Gutes tun. (2:14) Weil Gott uns das große Geschenk seiner Gnade gibt, können wir etwas davon an andere Menschen abgeben. Wir können ebenso Einsatz zeigen.

Vielleicht klingt das nach viel. Nach zu viel. Vielleicht weißt du jetzt schon, dass du das niemals alles schaffen kannst, so wie du auch deine guten Vorsätze niemals alle einhalten kannst. Aber das ist nicht schlimm. Vergiss nicht, Scheitern liegt uns in der Natur. Wichtig ist, nicht aufzuhören. Wieder aufzustehen, wenn wir mal gefallen sind; zurück zu Gott zu kommen, wenn wir gemerkt haben, dass wir versagt haben und neu beginnen. Wichtig ist, dass wir aufhören aufzuhören und anfangen anzufangen. Immer und immer wieder.

Und das Beste ist: wir sind nicht allein. Gott und seine unlaubliche Gnade begleiten uns. Ich wünsche dir, dass du das nicht vergisst im neuen Jahr. Höre auf, aufzuhören und fang an anzufangen.

Weihnachten auf der Insel

IMG_2257Es ist ewig her, aber dennoch möchte ich euch noch von meinem Weihnachten auf der Insel berichten. Ich habe mich nach einigem Hin- und Her dazu entschieden, dass ich hier bleibe und mal britisches Weihnachten erlebe. Wie mir berichtet wurde, war es kein „typisches“ britisches Weihnachten, denn das besteht zu einem großen Teil aus Alkohol… Kann man aber irgendwie auch verstehen, denn außer ihrem tollen traditionellen Weihnachtsessen, ist hier nicht viel Tolles.

Für mich als erzgebirgische Seele fing es schon bei der Dekoration an: keine Schwibbögen, keine Räucherkerzen, keine Männeln – nichts. Viele stellen deshalb ihren Weihnachtsbaum schon Anfang Dezember auf und haben deshalb auch einen Kunstbaum. Ich wurde glücklicherweise von Freunden und Familie mit Lichterketten, packungsweise Räucherkerzen, einem Weihnachtsleuchter und was man sonst noch braucht, versorgt. Auch Weihnachtsgebäck, wie Lebkuchen oder Stollen gibt es hier kaum oder gar nicht. Es erscheint total bescheuert, aber ich habe tatsächlich Stollen vermisst. Das beweist mal wieder, dass das Gras tatsächlich immer grüner ist auf der anderen Seite.

Mithilfe von lieben Adventspäckchen und Spotify, auf dem ich das Weihnachtsoratorium rund um die Uhr gehört habe, wurde die Adventszeit doch ganz gemütlich. Ich habe es geschafft, fast jeden Tag ein kleines Ritual zu machen, mit Tagebuch schreiben, Musik hören und mir Oma’s Gebäck schmecken lassen. Und es gab auch ganz schöne „britische“ Traditionen: ein kleiner Weihnachtsmarkt mit „German Sausages“, ein Weihnachtsnachmittag in meiner Gemeinde (ich habe mich im Kinderschminken probiert) und tonnenweise Plätzchen backen mit meiner Gastfamilie. Es gab immer mal Momente, in denen ich mich nach Hause gewünscht habe, aber ich war sehr aufgeregt auf Weihnachten. Übrigens: Es hat seit über fünf Jahren mal wieder geschneit. Alle sind ausgerastet außer ich – ich hatte mich schon so sehr auf ein Jahr ohne Schnee gefreut!

Am 21.12. ist der Bruder meines Gastpapas mit seiner Familie gekommen, was hieß, dass erstens noch mehr Aufregung war und zweitens ich deshalb gar keine Zeit mehr für Heimweh hatte. Wir waren in diversen wunderschönen Parks und zusammen wandern, wobei meine Gastkinder komplett das Klischee „Stadtkinder steigen auf einen Berg“ erfüllt haben. Erst am Heilig Abend hat das Heimweh angeklopft. In der Kirche war ein „Carolservice“, also ein Gottesdienst mit Weihnachtsliedern und im Kerzenschein und so. Kein Vergleich zu den Christvestpern, die ich gewohnt bin. Keine Aufregung vor dem Krippenspiel. Kein Papa, der die Predigt hält. Sondern nur glückliche Wiedersehen von Freunden und Familien und mittendrin ich, wie ich mir komplett fremd vorkam.

Zum Glück ist sonst an Heilig Abend hier nicht viel los (Weihnachten ist am 25.), und so hatte ich nach einem guten Dinner mit riesiger Käseauswahl und einem Gläschen Glühwein, Gelegenheit mit meiner Familie zu skypen und alle Geschenke auszupacken. Wie viele liebe Freunde an mich gedacht haben! So hat der 24., der für mich übrigens immer noch der „richtige“ Weihnachtstag ist, doch noch gut geendet.

Am 25.12. wurde ich morgens um dreiviertel sieben von Kinderschreien geweckt, weil alle ihre Stockings geöfnet haben. Nach Kuchen zum Frühstück ging es in die Kirche, in der alle sehr aufgeregt waren. Oder schon stolz ihre Geschenke präsentierten. Zurück zu Hause wurde das Weihnachtsessen vorbereitet. Natürlich traditionell Truthahn. (Der wurde übrigens im Karton geliefert und ich dachte, der Postbote will mich verarschen, als er sagte, er würde den Truthahn bringen…) Die Vorbereitungen haben ewig gedauert, aber es war wirklich sehr gut. Ich habe meine ersten Cracker geöffnet und Christmas Pudding gegessen. Ich mag ihn nicht. Geschenke gab es über den Tag verteilt. Ich hatte Teller bemalt, die kamen sehr gut an, und ich habe mich geärgert, dass ich überhaupt noch etwas anderes gekauf habe…

Insgesamt war es eine gute Erfahrung und ich bin froh, dass ich geblieben bin. Aber es geht nichts über ein Weihnachten in Familie und im Erzgebirge!

Lebenszeichen

Es ist so eigenartig wieder zu schreiben. Mein Perfektionismus und das erdrückende Gefühl, dass sich niemand wirklich für das Leben eines 18jährigen Au Pairs interessiert (weil das gefühlt jeder dritte ist) haben mich dazu gebracht, alles hinzuschmeißen. Es hat es auch nicht besser gemacht, dass mich gleich mehrere Leute gefragt haben, wo man denn am besten einen Blog starten kann, weil mir dann klar wurde, dass auch das Bloggen nichts besonderes mehr ist.

Wie auch immer, jetzt sitze ich wieder hier und schreibe. Es ist SO VIEL passiert. Zuerst einmal – ich bin angekommen. In Großbritannien, meiner Gastfamilie und dem Alltag. Und der geht mir momentan ziemlich auf den Zeiger. Es ist genau das, was ich eben nicht wollte – das „Boar, eigentlich habe ich keine Lust auf heute“, das ich so froh war loszuwerden nach 12 Jahren Schule. Das „Noch zwei Stunden, dann ist es geschafft“, das mir auch nur zu bekannt ist aus der Schulzeit. Aber ich habe auch nichts anderes erwartet. Es wäre absolut komisch, wenn das ganze Jahr über Friede-Freude-Eierkuchen gewesen wäre. Und das ganze Jahr aufregend.

Und so lese ich viel vor, versuche kleine Jungen dazu zu bringen, sich die Pyjamas anzuziehen, füttere und wickle ein Kleinkind, sage ca. hundert mal am Tag „Stop it!“, wasche Geschirr auf und ganz viel Wäsche (obwohl es trotz 9 Personen ganz erträglich ist), gehe in den Obstladen und zu Taekwondo-Stunden, atme tief durch, wenn mir mal wieder kein Respekt entgegengebracht wird und – schaue eben auch auf die Uhr und hoffe, dass die Zeit schneller vergeht.

Aber ich genieße auch: ich wurde gut versorgt mit Dekoration und Gebäck für die Adventszeit und schaffe mir meine eigenen kleinen Zeiten, in denen ich aufatmen kann. Ich lese viel (endlich wieder!). Ich denke viel nach, über mich, mein Leben, über Gott und die Welt. Ich bin unglaublich dankbar und glücklich, für meine Familie und Freunde zu Hause. An euch: ich vermisse euch. So sehr! Ich vermisse die lauten Abendbrote, ich vermisse das gemeinsame Fußballgucken. Ich vermisse die Lachanfälle, die keiner nachvollziehen kann, ich vermisse das auf der Terrasse sitzen und quatschen, das „Lügen“ spielen, die Kuschelhäufen, das gegenseitige Kleidung aussuchen, den frische Wäsche Geruch, die laute Musik von mehreren Seiten gleichzeitig und den Geschmack von Fruchtsekt und verwackelten Handybildern, den man nur mit guten Freunden teilt.

Ich schmiede Pläne. Für „danach“. Oh dear, was ich für Pläne habe! Ich kann es momentan gar nicht erwarten, endlich das Jahr „zu schaffen“, endlich nach Hause zu kommen, endlich zu studieren, endlich all die Dinge zu machen, die ich schon hätte machen können, während ich noch in Deutschland war, die mir aber als zu unwichtig vorkamen.

So viel also zu mir und meinem kleinen Leben, das ich sehr oft zu wichtig nehme und das mir an den meisten Tagen viel zu wertvoll erscheint, um es mit vielen Menschen zu teilen. Ich hoffe, dein Leben ist auch wertvoll für dich, denn, lass dir das gesagt sein, es ist oft viel wertvoller, als du denkst.

bis bald

Homeschooling

→Diesen Beitrag habe ich vor ca. einem Monat verfasst, aber nie veröffentlicht. Vielleicht interessiert es aber einige, deshalb voila! die geheime Welt des Homeschoolings!

Ihr Lieben!

Da hat mich doch tatsächlich heute die Muße geküsst und ich habe mir Kamera und Laptop geschnappt um einen neuen Beitrag zu verfassen. Das Thema Homeschooling spielte für mich als deutsches Schulkindchen höchstens mal für eine Doppelstunde im Englischunterricht eine Rolle. Sonst nie. Es war halt auch keine Alternative. (Was meine Gastkinder hier übrigens gar nicht verstehen können. Und irgendwie haben sie ja auch Recht, oder?!)

Deshalb wusste ich auch nicht, dass es in Großbritannien erlaubt ist. Zwar untypisch, aber durchaus möglich. Und ich habe das große Glück, als Au Pair in eine Familie zu kommen, die sowohl ein Kind in der Schule hat, als auch mehrere Kinder zu Hause unterrichtet. Es ist wie eine neue Welt, in die man eintaucht. Um den folgenden Text besser verstehen zu können, hier ein kurzer Exkurs in das britische Schulsystem: Mit vier kommt man in die Primary School, mit 11 auf die Secondary School, wo man mit 16 seinen Abschluss macht und entweder noch zwei Jahre Abitur oder eine Berufausbildung anhängt.

Warum Homeschooling?

Für mich stellte sich zuerst die Frage, warum Menschen sich überhaupt dazu entscheiden, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Denn, sind wir mal ehrlich, es ist harte Arbeit für die (meistens) Mütter, die neben dem Lehrer sein auch noch einen Haushalt schmeißen müssen. Meine nicht repräsentativen Umfragen haben ergeben, dass es vor allem daran liegt, dass sie mit dem Schulsystem nicht einverstanden sind, und deshalb die Bildung lieber selbst in die Hand nehmen wollen. Meine Gastmama hingegen ist selbst ausgebildete Grundschullehrerin und nutzt quasi die Chance, diesen Job weiterführen zu können, auch wenn sie kleine Kinder hat.

Und wie funktioniert das?

Wenn ich mich richtig an den Englischunterricht erinnere, müssen die Homeschooler in den USA jedes Schuljahresende ein Exam bestehen. So etwas gibt es hier nicht. Bis zu den Abschlussexamen am Ende der Secondary School gibt es theoretisch keinen einzigen Test. Keine Zensur. Keine Punktzahl. Wie man dann den Leistungsstand der Schüler überprüft? Das frage ich mich auch noch.

Das schöne am Homeschooling ist, dass man unglaublich flexibel ist. In den Arbeitszeiten, in den Methoden und in der Lerngeschwindigkeit. Die Individualität, die in Deutschlands Schulen ja oft als fehlend bemängelt wird, kann so bei jedem Kind gefördert werden. Natürlich muss man andererseits darauf achten, dass Jeder und Jede eine gewisse Grundausbildung bekommt und nicht nur das macht, was ihr oder ihm Spaß macht.

Methoden und Informationsbeschaffung

Kommen wir zu dem spannenden Teil: den Methoden. Wie kann man sich denn all die Informationen beschaffen, die man in der Schule von den Lehrern „auf dem Silbertablett serviert bekommt“? Kann eine Mutter/ ein Vater überhaupt ein solch umfassendes Wissen haben, um das Kind in allen Bereichen auf einen guten Wissensstand zu bekommen? Und woher soll man wissen, wenn man es nicht gerade studiert hat, wie man Kindern am besten lesen, schreiben, rechnen u.s.w. beibringt?

Ich kann keine richtigen und eindeutigen Antworten geben, sondern nur aus meiner Erfahrung hier plaudern. Grundsätzlich gilt: nutze alles, was dir zur Verfügung steht. So lernen die Kinder Mathe mit einer DVD, auf der ein professioneller Lehrer lektionsweise die Mathematik erklärt. Geübt wird mit einem dazugehörigen Arbeitsbuch. Um Sprachen zu lernen hot man sich entweder ein Au Pair (hehe) oder benutzt Programme wie „Duolingo“. Zum schreiben und lesen lernen gibt es Arbeitshefte (und für alles andere eigentlich auch). Ein ganz wichtiger Bestandteil ist das Lesen. Die Leseliste meines größten Gastkindes ist schockierend lang, also, ihr Schüler, die ihr euch beschwert, dass ihr zwei mal im Jahr ein Buch lesen müsst: hört auf damit! Außerdem werden alle Medien genutzt: über Politik informiert man sich in der Tageszeitung. Geschichte lernt man spielerisch über Computerspiele oder auch mal mit einem Film oder Hörspiel.

Ganz wichtig ist auch, dass man sein Wissen teilt. Ein mal in der Woche treffen sich hier sechs Familien um gemeinsam die Kinder zu unterrichten. Besonders die künstlerischen Fächer, wie Malen, Zeichnen und Arbeit mit Holz werden dabei gefördert. Eine Stunde die Woche gehen die Kinder zu einer studierten Ärztin, die ihnen alles aus den Bereichen Biologie/Chemie/Physik beibringt. Solche „Clubs“ gibt es natürlich auch für andere Bereiche. Sport wird in Vereinen gemacht, Musikuntericht bekommen die Kinder dadurch, dass sie mindestens ein Instrument lernen.

Und besonders bei den Kleinen merkt man das: sie lernen nebenbei. Mein zweijähriges Gastkind kann problemlos das Alphabet aufsagen und bis zehn zählen, weil es das durch pädagogisch wertvolle Bücher und Kinderlieder lernt. Mein fünfjähriges Gastkind darf (bei gutem Benehmen) täglich 20 Minuten ein Lernspiel auf dem Tablet machen. Lernen ist nicht dieser Scheiß, den man in der Schule macht, sondern gehört einfach zum Leben dazu.

Gut oder Schlecht?

Besonders der Fakt, dass Lernen zum Leben dazugehört, finde ich wirklich genial. Andererseits kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass esauch gut sein kann, die Schule von der Freizeit besser trennen zu können. Ich kann deshalb auch nicht sagen, ob ich Homeschooling total gut oder total schlecht finde. Es hat Vorteile, wie die Flexibilität und Individualität, aber auch Nachteile, wie die Nicht-Trennbarkeit.

Man kann auch nicht pauschal sagen, ob Kinder, die zu Hause unterrichtet wurden, grundsätzlich schlauer oder dümmer sind, als solche die zur Schule gehen. Ich habe schon von Leuten gehört, die ein 1,0 Abschluss gemacht haben und ihr ganzes Leben zu Hause unterrichtet wurden, aber ich sehe auch mein Gastkind, das sieben ist und noch immer nichts lesen kann.

Allerdings kann ich definitiv sagen, dass es eine große und schwere Aufgabe für alle Eltern ist, die zu Hause unterrichten. In manchen Fällen kann es der Eltern-Kind-Beziehung schaden, wenn mn gleichzeitig der Lehrer ist. Man muss viele Stunden Arbeit aufwenden und ebenso viel Geld in Arbeitsmittel (besonders die tollen Arbeitshefte) stecken. Man muss bestens organisiert sein und viele Pläne im Kopf haben und aufstellen. Und man nimmt die Verantwortung auf sich, die Kinder auf ein Leben in der Leistungsgesellschaft vorzubereiten.

Das war der kurze Einblick in ein mir vor drei Monaten noch völlig unbekanntem Thema. Wenn noch jemand Fragen hat, schreibt sie mir gerne in die Kommentare. Und wenn ihr Erfahrungen, Ergänzungen oder Meinungen teilen wollt, dann auch immer her damit!