Die Wiederkehr einer Verschollenen…

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Woooowwww, es ist schon ungefähr hundert Jahre her, seitdem ich das letzte Mal geschrieben habe. Eigentlich hatte ich auch gar nicht vor, wieder zu schreiben, aber ich bin gerade in die Tiefen der Bloggerwelt versunken und zufällig meinen eigenen Blog gelesen und da hat mich die Muße geküsst. Das Blöde ist halt nur, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll…

Vielleicht am besten mit dem, was so passiert. Meistens ist das der Alltag, mit zum Spielplatz gehen, kochen, Deutsch lehren, Deutsche Begriffe zunehmend verlernen, vorlesen, aufräumen, auf Trips gehen, ständig „Nein“ sagen, Kitzelmonster spielen, Kinder herumtragen und sich dann über Rückenschmerzen aufregen, Wäsche aufhängen, in die Kirche gehen, alles außer Fleisch und Schwarzbrot essen, vergessen, Menschen zurück zu schreiben, mit meiner Familie skypen, lesen, spazieren gehen, shoppen gehen, Bibel lesen, …

Hin und wieder wird dieser Alltag von ein paar guten Ausnahmen unterbrochen. So habe ich zum Beispiel Ende April Besuch von meinen liebsten Freunden bekommen, ich war mit meiner Gastfamilie im Urlaub, ich hab auf einem Rend-Collective Konzert Gott zusammen mit 800 anderen Leuten lobgepreist (ist das ein deutsches Wort?) und einen Sommertag am Strand verbracht.

Jetzt vielleicht das Naheliegendste: Wie geht es mir also? Gut würde ich sagen. Langsam aber sicher wird mir bewusst, dass ich meine Zeit wirklich genießen muss. In weniger als zwei Monaten muss ich schon Abschied nehmen! Gestern habe ich mich für mein Studium beworben und mal ganz unverbindlich nach Wohnungen geschaut. Und auf einmal überkam mich eine Welle der Panik. Wah, Hilfe, Veränderung! Mir wurde schlagartig bewusst, wie selbstverständlich hier alles geworden ist. Und dass ich mir ein Leben ohne schreiende Kinder fast nicht mehr vorstellen kann. Meine Gastfamilie ist wirklich zur Familie geworden und ich bin Gott so dankbar, dass er mich hierher geführt hat.

Ich freue mich aber auch auf „das Leben danach“. Endlich meine eigene Wohnung ganz nach meinem Geschmack einrichten zu können. Endlich das zu studieren, was mich richtig interessiert. Endlich meine Liebsten wiedersehen. Endlich wieder Sonntagsfrühstücke mit Aufbackbrötchen genießen.

Tja, ich würde sagen, das war erst mal ein grober Überblick über mein Leben. 🙂 Falls ich am Bloggen dran bleibe (was ich doch ziemlich hoffe) wird es in Zukunft hier noch ein speziellere Beiträge geben. Apropos: Gibt es Wünsche?

Ich hänge mal noch ein paar Fotos an. Bis dann!

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Anfang März gab es mehr Schnee als je zuvor in Cardiff…
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Nationalfeiertag mit traditioneller Verkleidung
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Random Sonnenuntergang.
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Urlaub im Lake District.
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Lake District – die Heimat von Peter Rabbit.
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Es ist tatsächlich Fühling geworden – ich hatte es zwischenzeitlich schon nicht mehr für möglich gehalten…
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Zusammen mit ganz Südwales am Stand…
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Ready für den Sommer!
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Ein Hauch Nichts.

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Nebelschwaden vor meinem Fenster. Von unten ist eine Glocke zu hören. Frühstück. Auf dem Schreibtisch liegt mein Tagebuch. Es wartet darauf, endlich wieder gefüllt zu werden. Und der USB-Stick daneben wartet darauf, in die Stadt genommen zu werden, um sich endlich all den Fotos entledigen zu können. So vergehen Tage. Wochen. Ich lache, ich weine, liebe und hasse, erlebe und vermeide, bewege und stagniere, genieße und verwünsche, erwarte und fürchte. Die Zeit fliegt vorbei, ich versuche sie zu greifen, doch schon wird sie weitergetrieben, treibt mich weiter, weiter, weiter. Ich will mehr. Mehr erleben. Mehr genießen. Mehr Glück. Mehr Sinn. Aber jeden Morgen finde ich mich am gleichen Platz wieder.

Nebelschwaden vor meinem Fenster. Von unten ist eine Glocke zu hören. Frühstück. Auf dem Schreibtisch liegt mein Tagebuch. Es wartet darauf, endlich wieder gefüllt zu werden. Warum ich nichts mehr schreibe, wollen sie wissen. Die Zeit fliegt vorbei, ich versuche sie zu greifen, doch schon wird sie weitergetrieben, treibt mich weiter, weiter, weiter. Alles, was ich greife, ist ein Hauch Nichts. Das Schreiben und ich, wir sind in einer Fernbeziehung. Ich liebe es, aber wir sehen uns nur noch selten. So vergehen Tage. Wochen. Ich bin doch nur Durchschnitt, denke ich mir, nichts Besonderes, eine von vielen. Ich gehe unter; ich sinke langsam. Ich will mehr. Und doch ist alles, was ich greife, ein Hauch Nichts.

5 Monate Au Pair – Ein Halbzeitsbericht

me and the sea.JPGJap, richtig gelesen, es ist schon Halbzeit. Die letzten fünf Monate sind wie im Flug vergangen (oder, um meiner Herkunft alle Ehre zu geben: ging‘ weg wie nüscht) und in naja, etwas mehr als fünf Monaten werde ich wieder auf deutschem Boden sein.

Endlich. Ich fiebere dem Tag  jetzt schon entgegen. Oder vielmehr dem Tag, an dem ich meine liebe Familie wiedersehen kann. Die kommen nämlich alle her um ein paar Tage Urlaub zu machen und dann werden wir uns (mit dem Zug wohlgemerkt!) wieder auf die Heimreise machen. Ich bin fleißig am planen für mein eigenes Zuhause. Und für Themen für das Missiocamp, da darf ich nämlich Mitarbeiter sein!

Überhaupt lebe ich viel in der Zukunft – was mich ziemlich unglücklich macht um ehrlich zu sein. Aber gerade fällt mir hier ein bisschen die Decke auf den Kopf. Seit fünf Monaten das Gleiche. Routine ist schön, aber gerade langweile ich mich zu Tode. Nicht nur das, ich habe auch keine richtigen Herausforderungen, denen ich mich stellen muss. Und seit Wochen und Monaten versuche ich, ein Projekt für mich zu finden. Erfolglos. Es scheint, als wären all die guten Ideen, die ich in Massen hatte, einfach vom Winde verweht.

Das ist schon etwas deprimierend. Das ist also das erste, was ich festhalten kann: ich bin nicht wirklich glücklich und zufrieden mit meiner derzeitigen Situation. Um aber mal aufzuhören mit dem Herumgeheule, jetzt die positiven Dinge der letzten fünf Monate:

  • Ich habe gelernt. Unglaublich viel. Ich habe gelernt, meine Familie, meine Freunde, mein Dörfchen!, meine Herkunft wertzuschätzen. Ich habe (und bin noch dabei) mich selbst besser kennengelernt. Und gelernt, mich anzunehmen.
  • Ich bin über mich selbst herausgewachsen. Ich bin alleine nach und durch London gefahren. Ich habe schon mindestens hundert neue Leute kennengelernt. Ich bin mit zwei kleinen Kindern im Bus durch die Großstadt gefahren. …
  • Ich wurde im Glauben gestärkt. Meine Beziehung zu Gott ist unglaublich gewachsen, wofür ich sehr dankbar bin. Der Gottesdienst am Sonntag ist auf einmal zu etwas schönem geworden, etwas, worauf man sich freut. Und das Bibellesen gehört zum Alltag dazu.
  • Ich habe viel erlebt. Von meinem ersten Truthahn, über Ebbe und Flut (habe ich ttsächlich noch nie vorher erlebt!), bis zu Pommes und Feuerwerk am fünften November. Und ich war an vielen neuen und schönen Orten.

Sicherlich gibt es noch viele andere Dinge, die mir jetzt nur nicht in den Kopf kommen wollen. Allgemein als Fazit kann ich schonmal sagen: Es hat sich gelohnt. Definitiv. Die Zeit hat mich geprägt und ich bin glücklich mit der Entscheidung, ein Au Pair zu machen. Trotzdem habe ich noch einige Pläne für die Zukunft:

  1. Glücklich sein. Ich weiß nicht genau, was ich ändern muss, aber ich will gerne glücklicher sein, mit dem, was gerade ist.
  2. Mehr bloggen. Ich habe das etwas schleifen gelassen, aber scheinbar scheint es Leute wirklich zu interessieren, was ich hier so treibe.
  3. Ein Projekt finden.
  4. Regelmäßig zurückschreiben. Ich entschuldige mich hiermit bei allen, die Tage oder Wochen auf Antworten von mir warten. Ich arbeite daran. Versprochen.

Soviel dazu, wer noch Fragen hat, es gibt da so ne Kommentarfunktion, die ihr gerne benutzen könnt. Oder ihr fragt einfach persönlich 🙂 Maaaaaachts gut

London

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Das Vorhaben stand schon seit Monaten, aber es hat ewig gebraucht, bis ich es tatsächlich bis nach London geschafft habe. Genau genommen hat es ein Weihnachtsgeschenk meiner Gastfamilie und ein „Machtwort“ meines Gastpapas gebraucht („Wie wäre es nächstes Wochenende?!“). Also habe ich mich am 4.Januar um ca. 8:58 Uhr auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Am Tag vorher habe ich schon Ideen gesammelt, mir Apps für die Tube heruntergeladen und Pläne gemacht. Obwohl eigentlich nichts schief gehen konnte, war ich doch hoffnungslos aufgeregt, als der Zug nach London Paddington vorfuhr.

Nach einer zweistündigen Fahrt kam ich dann auch genau da an und habe nach einer kurzen verweifelten Suche nach einer Toilette auch diese und die Bahn gefunden. First things first, dachte ich mir und fuhr zuerst mal in die Bakerstreet um zum Sherlock Holmes Museum zu kommen. Leider war die Schlange davor so groß, dass ich nur ein schönes Foto machte und mich stattdessen mit meinem „Meal Deal“ von tesco in einen Park setzte. Weiter ging es nach Kings Cross und zur „British Library“, die eine wirklich interessante Ausstellung über uralte Bücher hat. Und viele „wichtige“ Studenten, die dort auf ihre Notebooks hacken. Anschließend bin ich noch nach Camden Town, um über den Markt zu schlendern… ich habe nicht alles geschafft, weil er einfach so riesig ist! Dann bin ich zu der Familie gefahren, bei der ich für die Zeit wohnen würde. Es sind Freunde meiner Gastfamilie, die ich einmal getroffen habe, und die auch sechs Kinder haben. Sonst wäre es ja langweilig für mich. 🙂

Am Freitag bin ich zusammen mit einem kleinen Teil dieser Familie in die Innenstadt  gefahren, wo ich den Buckingham Palace, den Trafalgar Square und die „National Gallery“ gesehen habe. Ich liebe Kunstmuseen! Dieses ist so groß und gut, dass man hundert mal hingehen kann, und trotzdem immer noch etwas neues entdeckt. Und im Gegensatz zu deutschen Museen, sind die in Großbritannien fast alle frei! Anschließend habe ich einen gemütlichen Abend mit der Familie verbracht; wir haben zusammen gemalt, gegessen und „Mario Kart“ gespielt, was ich absolut nicht drauf habe…

Samstags bin ich relativ früh raus und zum Südufer der Themse gefahren. Und mit mir zusammen noch ungefähr dreihundertfünfundachtzig andere Touristen… Ich habe ein paar Fotos gemacht und bin nach einem kleinen Zwischenstop im Buchladen gen Osten gelaufen. Ein wirklich toller Weg! Mein Ziel war zunächst noch ein Museum: das Tate Modern. An sich ist es sehr speziell. Mein Mittagessen habe ich mir auf dem Borough Market ganz in der Nähe gekauft, auf dem ich auch mehr zufällig gelandet bin. Anschließend habe ich das Ufer gewechselt, mir die Tower Bridge angeschaut und bin schließlich mit der Bahn nochmal nach Camden Town, weil ich unbedingt noch den Rest des Marktes sehen wollte. Wieder zurück in meiner Bleibe gab es dann noch eine Geburtstagsparty für die „Hausherrin“ (oder wie man sie auch immer in moderner Sprache nennen soll) mit Kuchen, Pizza und einem Film mit der ganzen Familie. Ich fand es unglaublich nett, dass ich, eine Fast-Fremde mit dabei sein durfte!

Am Sonntag wollte ich etwas ruhen und habe mir nichts vorgenommen. Es war auch tatsächlich bin ca. 10 Uhr völlige Ruhe in Haus, was ich von meiner Gastfamilie ja so gar nicht gewohnt bin. Ich habe gefrühstückt, gelesen und bin dann in einen nahegelegenen Park gegangen, wo ich in der Sonne Tagebuch geschrieben habe. Am Nachmittag hat die Familie und ein paar Freunde der Kinder „Netball“ gespielt, was so ähnlich wie Basketball ist. Ich hasse Ballspiele zwar, aber es war doch sehr lustig. Abends war noch Gottesdienst, der im Wohnzimmer der Familie stattgefunden hat – das war mal eine ganz ungewohnte Erfahrung, aber dennoch habe ich es genossen.

Nachdem ich mich Montagmorgen von allen verabschiedet hatte, bin ich nochmal in die Stadt, schließlich wollte ich alles, was geht aus dem letzten halben Tag London herausholen. So bin ich noch einmal zum Buckingham Palace, diesmal um das „Changing of the guards“ zu sehen. Es war arschkalt, aber ziemlich gut gemacht. Anschließend bin ich zum Picadilly Circus, um die große Werbewand zu sehen und dann noch ein bisschen weiter, um durch die Geschäfte zu bummeln. Oder vielmehr zu staunen, was es alles teures und unnötiges zu kaufen gibt. Weil der Zug gecancelt wurde und ich somit auf den nächsten warten musste, habe ich noch kurze Erfahrungen mit britischen Verkäufern gemacht (im Supermarkt sind sie drauf, als würden sie lieber auf der Stelle sterben, anstatt arbeiten zu müssen, in den kleineren Läden wirken sie eher, als hätten sie Drogen genommen…) und bin schließlich, etwas unsicher, ob das wirklich der richtige Zug ist, wieder nach Hause gefahren. Mit vielen Bildern, einer neuen Jacke und zu vielen neuen Erfahrungen, die ich irgendwie immer noch nicht so richtig verarbeitet habe.

Gute Vorsätze

WhatsApp Image 2017-12-29 at 13.57.08Jeden Sonntag spricht der Prediger meiner derzeitigen Gemeinde über gute und wichtige Dinge. Nur eben auf Englisch. Hier versuche ich, aus meinem Predigt-Mitschriften-Chaos eine kleine Inspiration zu machen…

Titus 2:

11 Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen,

12 und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf,

13 indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten.

14 Der hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken. 

Hast du schon gute Vorsätze für das neue Jahr? Vielleicht endlich mehr Spor machen? Oder endlich diese Reise machen, härter arbeiten, häufiger sauber machen oder kein Fleisch mehr essen? Und wie sieht es aus mit den Vorsätzen von letztem Jahr?

Scheitern und schaffen

Bei mir ist es immer dasselbe: Ich nehme mir große Dinge vor, und merke schon nach wenigen Wochen, dass das irgendwie nichts wird. Geht es dir auch so? Es gibt eine einfache Erklärung für unser Scheitern: Es liegt in unserer menschlichen Natur. Diese ist gesetzlos und gemein (2:14). Wir können also gar nicht anders als zu scheitern, weil etwas in uns immer für das Böse und gegen das Gute ist.

Um es endlich zu schaffen, die guten Vorsätze einzuhalten, nein, um überhaupt irgendetwas zu schaffen, brauchen wir Gott. Heutzutage scheint nahezu alles erreichbar durch menschliches Bemühen bzw. menschlichen Einsatz zu sein. Denke doch nur mal daran, wie viel schon erschaffen wurde. Wie viele neue technische Geräte es 2017 gab. Wir denken so oft, dass wir allein alles erreichen können. Aber das ist ein Trugschluss. Wir brauchen Gott um etwas zu schaffen. Wir brauchen seine Gnade. (2:11)

Geliebt und geschenkt

Gottes Gnade ist ein wundervolles Geschenk an uns. Sie meint, dass Gott uns nicht so behandelt, wie wir es verdient hätten, sondern dass er uns mit Liebe begegnen möchte. Und diese Liebe hat in Jesus Gestalt angenommen. Gottes Gnade meint, dass Jesus für uns am Kreuz gestorben ist, sodass Gott uns nicht nach unseren Sünden und Vergehen beurteilt, sondern uns bedingungslos liebt.

Unsere menschliche Natur mit dem immerwähreden Hang zum Bösen geht nicht spurlos an uns vorbei. Wir haben wortwörtlich Dreck am Stecken. Doch Jesus selbst gibt vollen Einsatz. Er stirbt am Kreuz, um uns alle zu retten (2:13) und er reinigt uns (2:14) von all dem Dreck.Und wir – wir müssen uns noch nicht einmal bemühen, um ihm eine Gegenleistung zu bringen. Denn das ist ein Teil der Gnade: sie ist geschenkt, einfach so.

Anfangen und anstrengen

Aber es ist gut und wichtig, dass wir etwas tun. Auch darüber steht etwas in dem Text:

1. Wir sollen und bemühen, ein Leben zu führen, dass Gott gefällt. (2:12) Paulus nennt unter anderem, dass wir uns von weltlichen Begierden abwenden, besonnen und gerecht leben und Gott fürchten.

2. Wir sollen geduldig auf Jesus warten (2:13) und

3. Wir sollen Gutes tun. (2:14) Weil Gott uns das große Geschenk seiner Gnade gibt, können wir etwas davon an andere Menschen abgeben. Wir können ebenso Einsatz zeigen.

Vielleicht klingt das nach viel. Nach zu viel. Vielleicht weißt du jetzt schon, dass du das niemals alles schaffen kannst, so wie du auch deine guten Vorsätze niemals alle einhalten kannst. Aber das ist nicht schlimm. Vergiss nicht, Scheitern liegt uns in der Natur. Wichtig ist, nicht aufzuhören. Wieder aufzustehen, wenn wir mal gefallen sind; zurück zu Gott zu kommen, wenn wir gemerkt haben, dass wir versagt haben und neu beginnen. Wichtig ist, dass wir aufhören aufzuhören und anfangen anzufangen. Immer und immer wieder.

Und das Beste ist: wir sind nicht allein. Gott und seine unlaubliche Gnade begleiten uns. Ich wünsche dir, dass du das nicht vergisst im neuen Jahr. Höre auf, aufzuhören und fang an anzufangen.

Weihnachten auf der Insel

IMG_2257Es ist ewig her, aber dennoch möchte ich euch noch von meinem Weihnachten auf der Insel berichten. Ich habe mich nach einigem Hin- und Her dazu entschieden, dass ich hier bleibe und mal britisches Weihnachten erlebe. Wie mir berichtet wurde, war es kein „typisches“ britisches Weihnachten, denn das besteht zu einem großen Teil aus Alkohol… Kann man aber irgendwie auch verstehen, denn außer ihrem tollen traditionellen Weihnachtsessen, ist hier nicht viel Tolles.

Für mich als erzgebirgische Seele fing es schon bei der Dekoration an: keine Schwibbögen, keine Räucherkerzen, keine Männeln – nichts. Viele stellen deshalb ihren Weihnachtsbaum schon Anfang Dezember auf und haben deshalb auch einen Kunstbaum. Ich wurde glücklicherweise von Freunden und Familie mit Lichterketten, packungsweise Räucherkerzen, einem Weihnachtsleuchter und was man sonst noch braucht, versorgt. Auch Weihnachtsgebäck, wie Lebkuchen oder Stollen gibt es hier kaum oder gar nicht. Es erscheint total bescheuert, aber ich habe tatsächlich Stollen vermisst. Das beweist mal wieder, dass das Gras tatsächlich immer grüner ist auf der anderen Seite.

Mithilfe von lieben Adventspäckchen und Spotify, auf dem ich das Weihnachtsoratorium rund um die Uhr gehört habe, wurde die Adventszeit doch ganz gemütlich. Ich habe es geschafft, fast jeden Tag ein kleines Ritual zu machen, mit Tagebuch schreiben, Musik hören und mir Oma’s Gebäck schmecken lassen. Und es gab auch ganz schöne „britische“ Traditionen: ein kleiner Weihnachtsmarkt mit „German Sausages“, ein Weihnachtsnachmittag in meiner Gemeinde (ich habe mich im Kinderschminken probiert) und tonnenweise Plätzchen backen mit meiner Gastfamilie. Es gab immer mal Momente, in denen ich mich nach Hause gewünscht habe, aber ich war sehr aufgeregt auf Weihnachten. Übrigens: Es hat seit über fünf Jahren mal wieder geschneit. Alle sind ausgerastet außer ich – ich hatte mich schon so sehr auf ein Jahr ohne Schnee gefreut!

Am 21.12. ist der Bruder meines Gastpapas mit seiner Familie gekommen, was hieß, dass erstens noch mehr Aufregung war und zweitens ich deshalb gar keine Zeit mehr für Heimweh hatte. Wir waren in diversen wunderschönen Parks und zusammen wandern, wobei meine Gastkinder komplett das Klischee „Stadtkinder steigen auf einen Berg“ erfüllt haben. Erst am Heilig Abend hat das Heimweh angeklopft. In der Kirche war ein „Carolservice“, also ein Gottesdienst mit Weihnachtsliedern und im Kerzenschein und so. Kein Vergleich zu den Christvestpern, die ich gewohnt bin. Keine Aufregung vor dem Krippenspiel. Kein Papa, der die Predigt hält. Sondern nur glückliche Wiedersehen von Freunden und Familien und mittendrin ich, wie ich mir komplett fremd vorkam.

Zum Glück ist sonst an Heilig Abend hier nicht viel los (Weihnachten ist am 25.), und so hatte ich nach einem guten Dinner mit riesiger Käseauswahl und einem Gläschen Glühwein, Gelegenheit mit meiner Familie zu skypen und alle Geschenke auszupacken. Wie viele liebe Freunde an mich gedacht haben! So hat der 24., der für mich übrigens immer noch der „richtige“ Weihnachtstag ist, doch noch gut geendet.

Am 25.12. wurde ich morgens um dreiviertel sieben von Kinderschreien geweckt, weil alle ihre Stockings geöfnet haben. Nach Kuchen zum Frühstück ging es in die Kirche, in der alle sehr aufgeregt waren. Oder schon stolz ihre Geschenke präsentierten. Zurück zu Hause wurde das Weihnachtsessen vorbereitet. Natürlich traditionell Truthahn. (Der wurde übrigens im Karton geliefert und ich dachte, der Postbote will mich verarschen, als er sagte, er würde den Truthahn bringen…) Die Vorbereitungen haben ewig gedauert, aber es war wirklich sehr gut. Ich habe meine ersten Cracker geöffnet und Christmas Pudding gegessen. Ich mag ihn nicht. Geschenke gab es über den Tag verteilt. Ich hatte Teller bemalt, die kamen sehr gut an, und ich habe mich geärgert, dass ich überhaupt noch etwas anderes gekauf habe…

Insgesamt war es eine gute Erfahrung und ich bin froh, dass ich geblieben bin. Aber es geht nichts über ein Weihnachten in Familie und im Erzgebirge!